Internet – das personifizierte Böse?

Vergangene Woche am 08.04.2010 wurde es bei der Diskussion im ZDF bei Maybrit Illner wieder deutlich: Das Böse steckt im Internet! Zwar war sich die Runde über einige positive Aspekte einig, aber der Grundtenor war und blieb negativ.

Wir Deutschen haben anscheinend einige Neigung dazu, uns als Weltmeister in der Risikoevaluation zu bewähren. In den klassischen Medien wird gewarnt, es wird analysiert, was schlecht ist, ob und wie die Menschheit überfordert wird – siehe Schirrmacher’s Multitasking These . Was fehlt, ist m.E. eine größere Gelassenheit im Abwägen von Chancen und Risiken.

Alle Neuentwicklungen beinhalten ein Risiko – aber für wen? Als erstes wohl für diejenigen, deren bisherigen Produkte, deren Geschäftsmodelle damit überholt oder abgeschafft werden. Das war bei Guttenberg’s Erfindung der Druckkunst so, als den Mönchen das Monopol der damaligen Informationsverbreitung genommen wurde, das ist heute so in z.B. der Musikindustrie, deren jahrelanger Wertschöpfungsprozeß mit satten Gewinnmargen nur noch bedingt funktioniert. Und wenn es die Möglichkeit des Mißbrauchs gibt, wird sie auch genutzt – das war bei uns Menschen immer so und wird sich auch nicht ändern.

Aber wie sieht es denn mit den Chancen aus? Chancen, unabhängig von der Altersgruppe. Ich selber gehöre zu der Generation der “silver surfer”, bin aber eine gewisse Ausnahme, da in der ITK-Welt aufgewachsen. Ich beobachte neue Phänomene: Senioren, die mit Antritt einer Reise über einen Informationsstand zum Reiseland und Zielort verfügen, der erstaunt; Autokäufer, die mehr an Details wissen, als jedem hartgesottenen Vertriebsprofi lieb sein kann, um nur 2 Beispiele zu nennen.

Was wissen heute jugendliche Konsumenten über Produkte, Firmen, über Mogelpackungen, Bewertungen aus Reiseportalen bis hin zum Verhalten von Politikern! Sie wissen mehr, als manche Unternehmenslenker ahnen. Sie wissen aber auch um die Macht, die sie mit dem einen “Klick” haben. Das ist heute so – dem einen gefällt es, dem anderen weniger. Demokratie des Konsumenten wird durch das Internet Wirklichkeit.

Und natürlich gibt es neue Risiken, aber auch hier gehört Gelassenheit auf die Agenda: Social Networks sind ein neues Phänomen mit vielen Aspekten – mehr positven als negativen. Andere Negativerscheinungen – wie z.B. der schnelleren Verbreiterung von Kinderpornographie – sollten wir jedoch mit sinnvollen, nicht nur populistischen Maßnahmen entgegentreten. Aber die einschlägige Klientel für solche Themen gab es immer – leider!

Und last -but not least – das Internet ist kein rechtsfreier Raum, wie es einige bekannte Propagandisten bestimmter Interessengruppen versuchen weis zu machen. Wir sollten uns jedoch bei dem Ruf nach dem Gesetzgeber schon der Mühe unterziehen, Lösungen zu propagieren, die auch machbar sind, die den Stand der Technik berücksichtigen und sich nicht durch eine Realitätferne auszeichnen -siehe die JMSTV-Novellierung.

Das Web eröffnet uns neue Perspektiven! Nutzen wir Sie, statt mit einer Larmoyanz nach hinten zu schauen.

Denn dann werden wir auch die Auswüchse in den Griff bekommen.

P.J. Bisa

13. Apr. 2010 - Peter Bisa

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